ghost
"Ghost Flashdance", mixed Media, Video, 2006
Die kurzen Filmsequenzen, die Jörg Wagner in seiner Ausstellung bei Luis Campaña präsentiert, entstammen allesamt mit einer Ausnahme Kinoklassikern aus Hollywood. Die Szenen und Schauspieler sind einem sofort vertraut und lassen sich schnell den jeweiligen Produktionen zuordnen. Jörg Wagner lenkt die Aufmerksamkeit auf die Dialoge, insbesondere da er sich selbst hineinmontiert und den Part des Hauptdarstellers übernimmt. Explizit wählt er genau den einen Moment, in dem der Held sein Herz auf der Zunge trägt und seine Lebensmaxime offen legt. Seine Fragen an das Leben erscheinen ohne Zweifel dringlich, da sein Einsatz entsprechend hoch ist: „Entweder Du bist Teil des Problems oder Du bist Teil der Lösung oder Du bist Teil der Landschaft“, so Robert de Niro in John Frankenheimers Thriller Ronin. Oder Nick Hurley alias Michael Nouri alias Jörg Wagner, der in dem Kultfilm der 80ziger Flashdance seiner Freundin Alex (Jennifer Beal) mit auf den Weg gibt: „Wenn Du einmal einen Traum aufgibst, stirbst Du!“
Derart isoliert präsentieren sich die Lebensweisheiten und Sittenbilder dem Publikum in einer lapidaren Drastik, die geradezu entlarvend ist. Jörg Wagner zwingt den Betrachter in einen ganz persönlichen Dialog mit den Sätzen, denn anders als im Kino laufen die Sequenzen nicht auf einer großen Leinwand, sondern werden auf kleinen Monitoren abgespielt, in eigens dafür entworfenen Skulpturen, die entfernt an Designobjekte erinnern. Neun beinahe mannshohe hellgraue Gebilde recken sich dem Besucher der Galerie entgegen und fordern ihn zu einem Blick ins Innere auf. 
Vera Gliem